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Umweltstadt Hamburg: Stadtautos statt Busse für die Generation Car2Go
Es gab da mal ein Konzept, von dem war und bin ich noch begeistert. Das Stadtrad in Hamburg. Man kommt schnell von A nach B und nach dem “Relaunch” des Anmelde- und Abgabeprocederes wird es sicher von Einwohnern und Besuchern der Stadt weiterhin fleißig genutzt werden - hoffentlich. 
Vor einigen Monaten fand ich die ersten Ankündigung für ein ähnliches Konzept - nur nicht mit Fahrrädern, sondern mit Autos.
- Einfach registrieren, irgendwo abholen und irgendwo auch wieder abgeben.
- Minutengenaue Abrechnung, man muss nicht tanken, keine Verträge abschließen.
Also auch perfekt, wenn man von A nach B will - nur mit mehr Auto.
Super, denk ich. Dann könnte ich doch tatsächlich mal für ein paar Stunden ein Auto leihen um damit Sachen zu erledigen, die mit dem Fahrrad oder dem Bus schwierig zu transportieren sind. Dieser Zahn wurde mir relativ früh gezogen, denn die Stadtautos sind Smarts.
Egal - gut für die Umwelt soll es sein - und besser für alle - sagt zumindest Car2Go.
Womit ich Verständnisschwierigkeiten habe:
Car2Go sagt: “Ich werde unabhängiger von meinem Auto und lasse es öfter zu Hause stehen”.*???
Zielgruppe: Autobesitzer
Ich habe also bereits ein Auto, lasse es stehen, leihe mir einen Smart, der zugegebenermaßen tolle C02-Emissionen (97 g/km) hat, und dazu noch mit einem Solardach die Telematik mit Strom versorgt.Wahnsinn.
Fahre mit diesem Auto in die Stadt, lasse es dort irgendwo stehen. Für den Rückweg nehme mir wieder ein Car2Go, fahre nach Hause und stelle es neben meinem dort schon parkenden Auto ab.
Für Leute, die sonst mit ihrer Familie in einem Auto in die Stadt fahren, vermutlich nicht so spannend.
Woher die “Entlastung des Verkehrs in der Stadt” kommen soll, nur weil ich mit einem anderen Auto als meinem in die Stadt fahre, kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen.
*Quelle: http://welcome.car2go.com/hamburg/de/konzept/umwelt/index.html
Zielgruppe: Benutzer von Bussen und Bahnen
Man hat kein Auto aus unterschiedlichen Gründen; kein Geld, kein Parkplatz, Umweltaspekte. Man ist damit ganz gut damit gefahren; ab und zu für Einkäufe einen klassischen Leihwagen gemietet oder von Freunden ein Auto geliehen. Bin sardinenmäßig zur Stoßzeit mit unterschiedlich gelaunten Leuten Bus oder Bahn gefahren. Das begeistert den einen mehr, den anderen weniger.
- Kandidat für einen begeisterten Car2Go-Fahrer - entlaste den Bus um einen besetzten Stehplatz.
Womit entlaste ich den Verkehr in der Stadt?
Oder wie soll ich den Satz auf der Startseite der Car2Go sonst deuten:
“[…] Fragen wie “Wann kommt eigentlich der nächste Bus?” […]” gehören der Vergangenheit an.”
*Quelle: http://welcome.car2go.com/hamburg/de/index.html
Zielgruppe: Die “Immer-Autofahrer”
Fahrrad fahren ist so öko, Busse haben Verspätung, Bahnfahrer sind prollig. Das großesAuto ist zu groß, um schnell mal im Schanzenviertel einen Parkplatz zu bekommen, und immer kann man ja nicht in der 2. oder 3. Reihe mit dem SUV stehen. Der Zweitwagen ist gerade in der Werkstatt. Also schnell mal vom Kiez in den Smart gesprungen und irgendwo abstellen. Das geht mit dem Smart doch prima.
Ich freu mich jetzt schon auf die quergestellten Smarts im Viertel.
Aber liebe “Immer-Autofahrer” - dran denken: beim Car2Go gilt die 0-Promillegrenze, Drogen gehen natürlich auch nicht, das Auto soll nur zum Fahren verwendet werden und mehr als einen Mitfahrer darf man auch nicht haben.
*Quelle: http://welcome.car2go.com/hamburg/de/car2go-mietbedingungen/
Und zum Schluss noch ein Satz, den man mir gern erklären darf:
“Durch Car2Go wird das Verkehrsvolumen der Hansestadt effizienter, schneller und mit weniger Fahrzeugen bewegt. Der Verkehr in der Innenstadt wird entlastet […]”
Wäre das nicht der Promotion-Satz für die Nutzung von Straßenbahnen oder Fahrrädern - oder wenigstens Autos, in denen mehr als zwei Personen Platz haben?
Fazit:
Eigentlich ist dieses Car2Go-Konzept eine Kampagne gegen Taxis und den Öffentlichen Nahverkehr.
- Diejenigen, die sich kein eigenes Auto leisten können, werden mehr Auto fahren.
- Diejenigen, die etwas größeres als einen Smart brauchen, werden sich nicht vom Autokauf abhalten lassen.
- StattTaxi dann halt Stadtauto
- Statt teurer Monatskarte lieber regelmäßig mit dem Auto in die Stadt
Auch wenn ich heute etwas schimpfe, dem Grunde nach könnte mich auch dieses Konzept begeistern:
- Wenn sich wirklich Leute entschließen würden, ihre vorhandenen Autos zu verschrotten und zukünftig nur noch Car2Go fahren - super!
- Und wenn nicht auf der Startseite der Car2Go das “Nicht mehr warten müssen auf den Bus” als Argument für den Smart genutzt werden würde, hätte ich vermutlich kein Wort darüber verloren. Das passt einfach nicht zum “Gut für die Umwelt und besser für alle”.
Was Nettes zum Schluss:
Die Nutzung eines car2go kostet 29 Cent pro Minute und maximal 14,90 Euro pro Stunde „all inclusive“: also einschließlich Kosten für Kraftstoff, Versicherung, Steuern und Parken.*
Quelle: http://welcome.car2go.com/hamburg/de/hilfe/faq/index.html
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